Grenz-Triathlon: Dreikampf zu Fuß, im Kanu und auf

Grenz-Triathlon
Sportlich auf dem einstigen Todesstreifen

Sechs Mannschaften aus Thüringen und Hessen im Wettkampf entlang der ehemaligen Grenze


Zeitungsartikel aus der "Thüringer Allgemeinen" vom 24.09.2009:


Grenz-Triathlon: Dreikampf zu Fuß, im Kanu und auf dem Fahrrad

Am Thema "20 Jahre friedliche Revolution und Deutsche Einheit" arbeiten die Schüler des Gerstunger Gymnasiums bereits das ganze Jahr, jetzt präsentierte die Schule ihre Ergebnisse und setzte mit einem ungewöhnlichen Triathlon noch einen Höhepunkt drauf.
GERSTUNGEN. Manchmal setzte das miesepetrige Wetter den jungen Triathleten schön zu. Der Start begann aber pünktlich um elf. Pro Schule - insgesamt waren es sechs aus Hessen und Thüringen - gingen zehn Teilnehmer an den Start des Wettkampfs, der aus Laufen, Rudern und Radfahren bestand.
Zuerst gingen fünf Läufer auf die acht Kilometer lange Strecke von Gerstungen nach Sallmannshausen, schickten dort zwei Kanufahrer elf Kilometer auf der Werra weiter bis Wartha, von dort aus strampelten dann drei Radfahrer nach Leibeskräften die 18 Kilometer an den Startpunkt nach Gerstungen zurück. Mit dabei waren beim sportlichen Spektakel die Rhön-Ulstertal-Schule Geisa, das Johann-Gottfried-Seume-Gymnasium Vacha und das einheimische Philipp-Melanchthon-Gymnasium Gerstungen sowie die Werratalschule Heringen, die Blumensteinschule Wildeck-Obersuhl und die Jakob-Grimm-Schule Rotenburg. Gestartet worden war der Triathlon im Gerstunger Stadion, in dem sich schon die restlichen Schüler aus Gerstungen beim Sportfest tummelten. So herrschte dann auch eine tolle Stimmung aus Hunderten von Kehlen produziert, als die Läufer mit einer Stadionrunde auf die Laufstrecke geschickt wurden. Dann war es ein gewaltiger Wettstreit. Zum Schluss siegte aus Hessen die Jakob- Grimm-Schule Rotenburg in 3:13,37 Stunden vor der Rhön-Ulstertal-Schule Geisa (3:17,48 Stunden) und dem Vachaer Gymnasium (3:29,11). Vierte wurden die Einheimischen aus Gerstungen (3:30,20), es folgte die Werratalschule aus Heringen in 3:37 Stunden. Die Blumensteinschule aus Wildeck-Obersuhl kam zwar mit der schnellsten Zeit ins Ziel, kam aber nicht in die Wertung, da sie nur zehn Jungen am Start hatte, in den Wettkampfbedingungen jedoch der Einsatz von Mädchen gleichermaßen festgelegt war. Geknickt und tief enttäuscht waren am Ende die Gastgeber, die sich wie die Heringer verfahren hatten und so um eine bessere Platzierung herumkamen.
Stimmungsvoll war es bereits zum Auftakt am Morgen zugegangen. Die Schüler aus den sechs Schulen füllt das Atrium des Gerstunger Gymnasiums, um sich dort einen Film über die DDR-Vergangenheit anzuschauen. Natürlich zog auch die Ausstellung "Melanchthon - Grenzen überwinden" die Blicke auf sich. Die europaweite Ausstellung war aus Bretten ( Baden-Württemberg), dem Geburtsort Phillip Melanchthons dem Gerstunger Gymnasium zur Verfügung gestellt worden. Sie informiert umfassend über das Wirken des Humanisten und Reformators (1497 bis 1560) und streicht auch dessen Bedeutung für Europa heraus. In Thüringen wird sie nur hier in Gerstungen noch bis 15. Oktober zu sehen sein.
Und neugierige Blicke zogen auch Erich Schleyer und sein Kameramann vom österreichischen Fernsehen auf sich. Schleyer selbst ist gebürtiger Berkaer und machte 1958 im Gerstunger Gymnasium sein Abitur. Er war einst aus der DDR geflüchtet und ist jetzt Schauspieler und Filmemacher beim ORF. Gerade weilte er drei Tage zu einer Dokumentation über seinen Heimatort hier und hatte eher zufällig von diesem Termin erfahren. Er nannte das eine "glückliche Fügung". Und so folgte Schleyer mit seinem Kameramann begeistert den sechzig Startern und begleitete den Triathlon.
Von Rüdiger SCHWANZ


Zeitungsartikel aus Freies Wort/ STZ vom 17.09.2009:


Bad Salzungen/Gerstungen - Es sollte etwas Besonderes sein im Jahr der Demokratie und 20 Jahre nach der friedlichen Revolution. Etwas, was Schüler anspricht im Osten und im Westen gleichermaßen.

Die Fachberater für Sport für die Gymnasien und Regelschulen Jörg Fuchs und Michael Simon zerbrachen sich den Kopf, wie sie auch einen sportlichen Akzent innerhalb der Veranstaltungsreihe des Schulamtes Eisenach "20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit" setzen könnten.

Die erste Idee, ein Volleyball- oder Fußballturnier mit Schülern aus Thüringen und Hessen zu organisieren, verwarfen sie gleich wieder. Zu gewöhnlich, zu normal für diesen Anlass. Doch dann kam ihnen die Idee, etwas entlang der Grenze zu veranstalten, die ja einst auch mitten durch den Wartburgkreis verlief. Entlang des ehemaligen Todesstreifens, heute eines der landschaftlich schönsten Gebiete im Kreis, sollte es gehen. Und die Idee war geboren - für den 24.September einen Grenz-Triathlon vorzubereiten. Mit der Regelschule Geisa, dem Gymnasium Vacha, dem Gymnasium Gerstungen von Thüringer Seite und den drei hessischen Schulen, der Blumenstein-Schule in Wildeck-Obersuhl, der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg und der Werratalschule in Heringen waren die Partner schnell gefunden. Je Schule tritt eine Mannschaft an. Zu jeder Mannschaft gehören zehn Schüler, die sich in einem anspruchsvollen Wettbewerb bewähren müssen.

Der sportliche Wettbewerb - Laufen-Kanu-Radfahren - beginnt in Gerstungen. Von hier aus machen sich

fünf Läufer (Mädchen und Jungen gemischt) auf den Weg über zirka acht Kilometer nach Sallmannshausen. Von dort startet das Kanuduo entlang der Werra nach Wartha (zirka 10 Kilometer). In Wartha wird der Staffelstab an die Radfahrer übergeben. Ein Dreierteam muss zurück über zirka 15 Kilometer nach Gerstungen ins Ziel.

Für Michael Simon ein anspruchsvoller Wettkampf in landschaftlich reizvoller Gegend, den man ohne Training nicht bewältigen kann. Er weiß, dass sich die Mannschaften der Schulen bereits eifrig vorbereiten. Rund um den sportlichen Wettkampf werden die einzelnen Schulen Projekte und Arbeiten zum Thema "20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit" präsentieren. Die Gastgeberschule, das Gymnasium Gerstungen, wird einen geschichtlichen Abriss darstellen, Schüler aus Heringen zeigen die Ergebnisse eines Plakatwettbewerbes. Das Gymnasium in Gerstungen habe man auch deshalb als Gastgeberschule gewählt, so Simon, weil hier seit vielen Jahren das gemeinsame Lernen von Schülern aus Thüringen und Hessen "richtig gut funktioniert".

Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen zum Grenz-Triathlon bereits. Denn es ist eine logistische und auch nicht ganz billige Herausforderung 100 Teilnehmer nach Gerstungen zu fahren, den Wettkampf und die Verpflegung abzusichern und die Sicherheit für die Teilnehmer zu gewährleisten. Viele Unterstützer und Sponsoren mussten gefunden werden. Aber nun kurz vor dem Startschuss hat Michael Simon ein gutes Gefühl.

Die Busse sind geordert, die Urkunden gedruckt, die T-Shirts mit dem Logo für jeden Teilnehmer werden rechtzeitig fertig. Die Schülerband für das Zusammensein nach dem Wettkampf hat auch zugesagt. Nun braucht es nur noch gutes Wetter und motivierte Mannschaften. Dann werde der Grenz-Triathlon für alle Teilnehmer und hoffentlich viele Zuschauer ein tolles Erlebnis, hofft Simon. wei